In Gedenken an Yrja


Ihr kennt sicher alle das Sprichwort «Pferde geben uns die Flügel die wir nicht haben».  Passender könnte ich auch Yrja nicht umschreiben.

Wortwörtlich, als ich das erste Mal auf Yrja geritten bin, ist sie, erschrocken wegen irgend einem Troll im Gebüsch, mit mir durch das Mühlauer Naturschutzgebiet losgaloppiert und hat mich, weil wir an einen Bach kamen und sie nicht durch den Bach galoppieren wollte, in einer rasanten Kurve im hohen Bogen ins Ried fliegen lassen. Hätte ich damals schon gewusst, dass sie wasserscheu ist, hätte ich mich besser auf die Kurve eingestellt.

Natürlich meint aber das Sprichwort mit den Flügeln nicht die Flüge, Stürze vom Pferd sondern eher, das Aufstehen und wieder aufsteigen.

Und das hat Yrja sicher bei vielen von uns geschafft. Mich hat sie angespornt, nach dem Sturz in die Reitstunden zu gehen und eine bessere Reiterin zu werden. Sie hat mich angeregt, die Ausbildung zur Reitpädagogin zu machen, damit ich mit ihr und mit Kindern schaffen kann. Sie hat uns den Antrieb gegeben, unseren Traum vom eigenen Stall und den Pferden bei uns zuhause zu verwirklichen.

Sie hat aber auch meine Reitkinder beflügelt. Hat ihnen die Angst vor grossen Tieren genommen, hat sie mutig gemacht. Sie sind mit ihr übers Feld getöltet, im Galopp den Berg hochgeritten und haben schwierige Zirkuskunststücke auf ihr einstudiert. Sie hat den Kindern die Pferdesprache beigebracht und gezeigt, wie Pferd und Mensch zum Freund, zur Freundin werden und einander vertrauen können.

Yrja war eine geduldige, treue Pferdelehrerin. Allzeit bereit und motiviert an meiner Seite. Ich bin sehr traurig über ihren Verlust. Es war nicht einfach, sie gehen zu lassen. Aber wenn man mit Tieren zusammenleben will, muss man auch damit umgehen können, dass sie mal sterben.

Gut zu wissen, dass ich meine «Abenteuerhoffamily» und damit meine ich alle die hier ein und aus gehen, um mich habe. Um zu erfahren, dass der Verlust eines geliebten Tieres zwar traurig und schmerzhaft sein kann. Dass wir uns aber gegenseitig auch trösten können.

Wir haben alles versucht, um Yrja zu retten. Vom Mittwoch an war jeden Tag eine Tierärztin bei ihr und hat sie untersucht, Schmerzmittel gespritzt. Wir haben eine Magen- und Darmspülung gemacht, in der Hoffnung, dass sie wieder frisst. Sie hat Magenblocker gekriegt und wir haben ihr Seniorenfutter gekauft, weil das Pferde besser kauen können. Wir haben sie am Montag für weitere Untersuchungen sogar noch in die Tierklinik gefahren in der Hoffnung, sie können ihr dort helfen. Yrja war die ganze Zeit sehr tapfer, leider war sie am Schluss ganz schwach und abgemagert und als dann ihre Nieren ganz versagten, haben wir uns entschieden, sie zu erlösen. Sie ist ganz sanft und friedlich eingeschlafen.

Mir haben viele liebe Leute, liebe Sachen geschrieben. Etwas möchte ich euch kopieren:

"Die Gewissheit ist einerseits die Geburt und der Tod. Aber es gibt noch eine Gewissheit! Und zwar die, dass Yrja in unserem Herzen weiterleben wird."

Am Anfang habe ich von Flügeln geschrieben. An der Gedenkfeier von Yrja haben wir Luftballons in den Islandfarben in den Himmel geschickt. Die Kinder haben Kärtchen mitfliegen lassen einem Gedanken, einem Gruss, einem Wunsch oder mit einem Erlebnis.

Vielleicht fliegen diese ja nach Island und vielleicht ist Yrja auch dort angekommen… 

 























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